Warum To-do-Listen bei mir nicht funktionieren
Meine Liste sah montags immer gleich aus. Angebot rausschicken, Kunden anrufen, Steuerunterlagen, Website korrigieren, Projekt starten.
Freitags stand ein Haken hinter dem Angebot. Der Rest war unverändert. Und ich habe die Liste am Montag darauf neu geschrieben, in derselben Reihenfolge, mit demselben ernsten Vorsatz. Fünf Wochen hintereinander.
Meine erste Erklärung war die naheliegende: schlechtes Zeitmanagement. Also habe ich die Liste kürzer gemacht. Dann priorisiert, A, B, C. Dann Zeitblöcke im Kalender. Dann das Wichtigste an den Anfang, weil das ja angeblich hilft.
Der Haken blieb bei einer Aufgabe pro Woche.
Irgendwann fiel mir auf, was ich die ganze Zeit übersehen hatte. Es waren nicht irgendwelche Punkte, die liegen blieben. Es waren jede Woche dieselben. Der Anruf blieb liegen, die Buchhaltung blieb liegen, das Projekt blieb liegen. Kleinkram dagegen erledigte ich in rauen Mengen, teilweise Aufgaben, die auf keiner Liste standen und niemandem etwas brachten.
Faul war ich also offensichtlich nicht. Ich war beschäftigt bis zum Anschlag, nur eben an der falschen Stelle.
Und da liegt der Konstruktionsfehler jeder To-do-Liste: Sie behandelt jede Zeile gleich. Aufschreiben, abhaken, fertig. Sie fragt nie, warum ausgerechnet diese Zeile seit fünf Wochen steht.
Ich habe diese Zeilen inzwischen ernst genommen, statt sie neu abzuschreiben. Bei manchen war der Zeitpunkt falsch, bei manchen die Aufgabe selbst, bei einer war die ganze Richtung falsch und ich wollte es nur nicht wahrhaben. (Das Projekt habe ich am Ende beerdigt. Es war die richtige Entscheidung, sie hat mich nur zwei Jahre gekostet.)
Der Widerstand war nie mein Problem. Er war die einzige zuverlässige Information, die ich hatte.
Genau darum geht es in den vier kostenlosen Videos, die ich aufgenommen habe. Nicht um ein besseres Listensystem, sondern darum, wie du liest, was dein Aufschieben dir mitteilt, und wie daraus eine Stärke wird statt eines Vorwurfs.

