Der Rechner läuft seit zwanzig Minuten. Auf dem Schreibtisch steht der zweite Kaffee, halb ausgetrunken, daneben schon der dritte. Die Aufgabe, die heute wichtig ist, steht als Zeile im Kalender und rührt sich nicht.
Und du weißt genau, was zu tun wäre.
Diesen Zustand kenne ich seit der Schule. Damals hieß er Trödeln, später Disziplinlosigkeit. Heute weiß ich, dass in dieser Stunde meistens drei verschiedene Dinge gleichzeitig passieren, die alle denselben Namen bekommen haben.
Die erste Stunde gehört nicht dir
Nach dem Aufwachen arbeitet das Gehirn eine Weile im Übergang. Schlafträgheit heißt das in der Forschung, sie ist messbar, und sie trifft jeden. Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen liegen in dieser Phase unter dem Niveau, das derselbe Mensch zwei Stunden später erreicht.
Wie lange der Übergang dauert, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt auch davon ab, aus welcher Schlafphase du gerissen wurdest. Eine Viertelstunde kann reichen. Nach einer schlechten Nacht zieht es sich hin.
Wer ausgerechnet diese Zeit zur wichtigsten Stunde des Tages erklärt, verwechselt Wachsein mit Leistungsfähigkeit.
Was die Ratgeber daraus machen
Steh um fünf auf und erledige die schwerste Aufgabe als Erstes, solange der Wille noch frisch ist.
Für einen Teil der Menschen stimmt das sogar. Für Abendtypen bedeutet derselbe Rat, die anspruchsvollste Arbeit genau in das Fenster zu legen, in dem der Kopf am wenigsten hergibt, und das absehbare Ergebnis wird anschließend als Charakterschwäche verbucht. So entsteht aus einem Terminproblem ein Selbstbild.
Der dritte Grund, über den niemand redet
Neben Schlafträgheit und Chronotyp gibt es etwas ganz Banales. Der Morgen ist die Tageszeit mit den meisten fremden Ansprüchen: Mails aus der Nacht, Rückrufe, Kollegen, die auch gerade anfangen und sofort etwas brauchen. Die Stunde, die überall als heilige Fokuszeit verkauft wird, ist in Wirklichkeit die Stunde, in der die meisten Menschen gleichzeitig etwas von dir wollen.
Bei mir sind es dienstags zwei Kundentermine vor elf. An solchen Tagen ist jede Frage nach dem Chronotyp müßig.
Die Einschränkung
Manchmal ist es einfach zu wenig Schlaf.
Wer um eins ins Bett geht und um sechs wieder aufsteht, braucht keine Chronobiologie, um sein Problem zu erklären. Das gilt auch für mich, häufiger als mir lieb ist. Keine Theorie über innere Uhren repariert eine Nacht mit fünf Stunden.
Was in die erste Stunde gehört
Arbeit, die du auch mit halber Konzentration richtig machst. Ablage sortieren. Rechnungen prüfen. Die Mail, die du seit gestern schuldig bist und die dreißig Sekunden dauert.
Deine schwere Aufgabe bekommt stattdessen einen festen Termin in dem Fenster, in dem dein Kopf tatsächlich liefert. Falls du nicht weißt, wann das ist: zwei Wochen lang dreimal täglich eine Notiz mit Uhrzeit und einer Zahl von eins bis zehn, und das Muster steht vor dir.
Was mich am längsten geärgert hat, ist nicht die verlorene Stunde. Es ist, dass ich jahrzehntelang jeden Morgen ein Urteil über mich gefällt habe, bevor ich überhaupt richtig wach war.
Wie du dein eigenes Leistungsfenster findest und deinen Tag danach ordnest, zeige ich dir in meiner kostenfreien MasterClass. Vier Videos, je acht bis zehn Minuten. Melde dich unten an.

