Keine-Zeit.de - Der Blog gegen mehr Disziplin

Hier geht es um Prokrastination — aber nicht um Disziplin, Zeitmanagement oder die nächste To-do-Liste. Das hast du vermutlich alles schon probiert.

Es geht um die Frage, warum du an manchen Tagen stundenlang konzentriert arbeitest und an anderen nicht in die Aufgabe kommst, obwohl du Zeit hast und weißt, was zu tun ist. Diese Tage sind kein Zufall. Sie folgen einem Takt, den jeder Mensch hat und fast niemand kennt.

Darüber schreibe ich hier.

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  • Warum bin ich erst abends produktiv?

Mein Leistungsfenster liegt zwischen zwanzig und dreiundzwanzig Uhr.

Um halb neun wird es ruhig im Kopf, und dann entsteht in vierzig Minuten ein Angebot, an dem ich vier Wochen lang morgens herumgedruckst habe. Dieselbe Aufgabe, nur zwölf Stunden später.

Vierzig Jahre lang habe ich das als Beleg gegen mich gelesen. Wer abends anfängt, hat den Tag vertrödelt, so ging die Rechnung. Dass die Arbeit am Ende fertig wurde, zählte nicht. Sie kam nämlich zur falschen Zeit.

Woher der Verdacht kam

Meine Lehrer haben meinem Vater jahrelang denselben Satz gesagt: „Der Michael ist nicht dumm, der ist nur faul.“ Mein Vater hat ihnen geglaubt, und irgendwann habe ich ihnen auch geglaubt.

Wenn einmal feststeht, dass du faul bist, brauchst du für jedes spätere Verhalten keine zweite Erklärung mehr. Abends produktiv, also tagsüber gefaulenzt. Morgens nicht in Gang gekommen, wieder derselbe Befund. Damit erklärt das Urteil alles und prüft nichts.

Was 2017 in Stockholm passiert ist

Den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin bekamen in jenem Jahr Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young. Ausgezeichnet wurde die Aufklärung der molekularen Mechanik, mit der Zellen die Tageszeit messen: ein Gen, dessen Produkt sich über die Nacht anreichert und im Lauf des Tages wieder abgebaut wird, ein Rückkopplungskreis, der ungefähr vierundzwanzig Stunden braucht.

Gearbeitet haben die drei allerdings an Taufliegen. Niemand in dieser Forschung hat je einen Arbeitstag geplant, und wer behauptet, aus dem Preis folge direkt ein Tagesplan, überdehnt die Sache.

Belegt ist etwas anderes, und das reicht: Diese Uhr sitzt in fast jeder Zelle, sie läuft auch im Dunkeln weiter, und sie tickt nicht bei allen Menschen gleich. Der Chronotyp, also die Frage, wann dein Körper Höchstleistung anbietet, ist erblich beeinflusst. Aussuchen kannst du ihn dir deshalb nicht.

Der eigentliche Fehler

Jahrzehntelang habe ich eine Information über den Zeitpunkt als Urteil über meinen Charakter gelesen.

Morgens um neun vor einer anspruchsvollen Aufgabe zu sitzen und nicht hineinzukommen, ist bei einem Abendtyp kein Motivationsproblem, sondern schlicht der falsche Termin. Der Widerstand meldet dann keine Schwäche, sondern eine Uhrzeit.

Und die Rechnung dahinter ist unangenehm konkret. Eine Stunde am Tag, in der du gegen deine eigene Uhr arbeitest, ergibt fünf Stunden in der Woche. Setz deinen Stundensatz ein. Bei mir kam eine Zahl heraus, die ich hier nicht hinschreibe, weil sie mich immer noch ärgert.

Die Einschränkung, die ich nicht wegdiskutiere

Nicht jedes Aufschieben ist ein Zeitpunktproblem.

Manchmal ist neun Uhr morgens der völlig richtige Termin, und ich drücke mich trotzdem, weil die Aufgabe unangenehm ist oder weil ich das Telefonat mit dem Kunden nicht führen will. Dafür taugt der Chronotyp nicht als Erklärung, und als Entschuldigung erst recht nicht. Wer jede Verzögerung mit seiner inneren Uhr begründet, hat sich nur eine elegantere Ausrede gebaut als die alte.

Dazu kommt ein praktisches Problem, das bei mir bis heute ungelöst ist. Mein Fenster liegt am Abend, meine Kunden sitzen vormittags in Meetings. Zwei Termine im Kalender, die sich nicht verschieben lassen, und das ganze schöne Wissen über den eigenen Takt nützt an diesem Tag gar nichts.

Wie du dein Fenster findest

Zwei Wochen lang, dreimal am Tag, eine Notiz. Uhrzeit, daneben eine Zahl von eins bis zehn dafür, wie klar dein Kopf gerade ist. Mehr nicht. Keine App nötig, ein Zettel reicht.

Nach vierzehn Tagen zeichnen sich zwei oder drei Zeitfenster ab, in denen die Zahlen regelmäßig höher liegen. Das sind deine. Alles, was Konzentration verlangt, gehört dort hinein, und der Rest des Tages ist für Mails, Telefonate und die Dinge, die auch halbwach funktionieren.

Bei mir hat es gedauert, bis ich der Aufzeichnung mehr geglaubt habe als dem Satz aus dem Klassenzimmer.

Dazu habe ich eine kostenfreie MasterClass erstellt. Melde dich gerne dazu kostenfrei an.

Wie das im Detail funktioniert, zeige ich in meiner kostenfreien Masterclass: vier Videos, je 8 bis 10 Minuten.

Video 1 startet sofort. Kostenfrei. 4,81 von 5 Sternen aus 89 Bewertungen auf ProvenExpert. Die weiteren Videos schaltest du über die Bestätigungsmail frei. Abmeldung jederzeit mit nur einem Klick.

Über den Autor, Michael Lendvay

administrator

Ich bin Michael Lendvay, 59, Unternehmensberater. Meine Lehrer haben meinen Eltern jahrelang gesagt: „Der ist nicht dumm, der ist nur faul." Ich habe es geglaubt, über 50 Jahre lang. Heute weiß ich, dass mein Aufschieben nie Schwäche war. Es war mein System, das auf den richtigen Moment gewartet hat. Auf keine-zeit.de zeige ich, wie du deinen eigenen Rhythmus findest.

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